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12.01.2017

Datengestützt Schulqualität managen

Das Qualitätsentwicklungskonzept des kanadischen PISA-Siegers Alberta

Gastvortrag von Dr. Dianne Yee, Area Director im Calgary Board of Education und Dr. Brandy Yee, Assistant Principal in der Arbour Lake School Calgary am 20.12.2016 in Stuttgart

Das Bild zeigt Prof. Anne Sliwka, Dr. Brandy Yee und Dr. Dianne Yee

Was sind wirksame Ansatzpunkte einer systematischen Qualitätsentwicklung zur Verbesserung von Schulqualität? Welche Rolle spielt datengestütztes Qualitätsmanagement, und wie lässt es sich gestalten? Diese Fragen werden immer wieder aufgeworfen – zuletzt durch den aktuellen IQB-Bildungstrend.

Um Impulse zu erhalten und Antworten auf diese Fragen zu finden, lohnt es sich, einen Blick über den eigenen Tellerrand, in andere Länder zu werfen. Zum Beispiel auf den kanadischen PISA Sieger Alberta. Bereits seit vielen Jahren nutzt diese kanadische Provinz unterschiedliche Daten als Grundlage eines systemischen und dialogischen Qualitätsmanagements, welches das planmäßige Ineinandergreifen von Entwicklungszielen auf verschiedenen Ebenen des Bildungssystems – Schule, Schulaufsicht und Ministerium – gewährleistet (Stichwort ‚alignment‘).

Was lässt sich von diesem Ansatz für Baden-Württemberg lernen?

Um dies zu diskutieren, hat das Landesinstitut für Schulentwicklung am 20. Dezember 2016 zwei Expertinnen aus Kanada eingeladen. Dr. Dianne Yee, Area Director im Calgary Board of Education und Dr. Brandy Yee, Assistant Principal an der Arbour Lake School Calgary, stellten das Qualitätsentwicklungskonzept aus Calgary vor und diskutierten anschließend mit den ca. 120 Veranstaltungsteilnehmerinnen und -teilnehmern aus Bildungsadministration, -politik und -praxis.

Wesentliche Eckdaten und Erfolgsfaktoren des Qualitätsentwicklungskonzepts:

  • Das Qualitätsentwicklungskonzept entstand in einem transparenten Prozess unter Beteiligung aller relevanten Stakeholder und wird gemeinsam weiterentwickelt. Dabei wird auf Kontinuität und Stabilität geachtet.
  • Die Entwicklungen sind strategisch angelegt und erfolgen evidenzbasiert, d.h. gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu relevanten Bereichen, z.B. professionelles Lernen im Schulentwicklungskontext oder schülerzentrierte Führung.
  • Das Qualitätsmanagement baut auf ein systematisches und einheitliches Rechenschaftslegungskonzept. Einmal jährlich wird ein standardisierter Rechenschaftsbericht für verschiedene Ebenen (Einzelschule, School Districts, die Provinz Alberta insgesamt) erstellt, der jeweils dem gleichen Format folgt. Diese standardisierten Rechenschaftsberichte werden auf allen Ebenen genutzt, nicht nur von den Einzelschulen, sondern auch von der Schulaufsicht und der Provinz insgesamt.
  • Das Rechenschaftslegungskonzept
    • umfasst sieben Kategorien, die neben Leistungsdaten (z.B. aus zentralen Tests) auch andere Aspekte beinhalten (z.B. Sicherheit und Fürsorglichkeit an der Schule, Elternbeteiligung, Schulentwicklung);
    • basiert auf verschiedenen Datenquellen (z.B. Ergebnisse aus jährlichen standardisierten Befragungen von Lernenden, Eltern und Lehrkräften, leistungsbezogene Daten aus zentralen Tests und Abschlussprüfungen sowie weitere Indikatoren, unter anderem Abbrecherquoten). Die Datenauswertung erfolgt mithilfe standardisierter Auswertungsmethoden;
    • nutzt folgendes Bewertungskonzept: Jede der sieben Kategorien wird hinsichtlich der drei Aspekte ‚Erreichung‘ (‚achievement‘)‚ ‚Verbesserung‘ (‚improvement‘) und ‚Gesamtzustand‘ (‚overall‘) bewertet. Bewertet wird jeweils mit einer 5-stufigen Skala.
    • ist klar gestaltet, in Form einer auf einer Seite dargestellten Übersichtstabelle (Accountability Dashboard). Ein einfach zugängliches Farbsystem wird zur Bewertung der einzelnen Kategorien genutzt (z.B. grün = gut).
    • zeigt zu jeder Kategorie folgende Vergleichsdaten: Ergebnisse aus dem aktuellen Jahr, dem Vorjahr und dem Durchschnitt der letzten drei Jahre, sowohl für die spezifische Schule (oder - je nach Verwendungsebene - den School District) als auch für die Provinz Alberta insgesamt. Damit sind Vergleiche über die Zeit und mit dem Landesdurchschnitt möglich.
       
  • Rechenschaftslegung erfolgt gegenüber einer breiten Zielgruppe, bei Schulen z.B. nicht nur gegenüber der Schulaufsicht (Board of Education), sondern auch gegenüber Kollegen und Eltern. Die Rechenschaftsberichte dienen der Weiterentwicklung von Schulqualität und sind zentraler Bestandteil des Qualitätsentwicklungskonzepts in Alberta.
  • Basierend auf den jeweiligen Rechenschaftsberichten werden auf den verschiedenen Ebenen (Ministerium, Schulaufsicht, Einzelschule) 3-Jahres-Pläne erstellt, die aufeinander abgestimmt sind. Die 3-Jahres-Pläne sind auf zwei Seiten dargelegt und beinhalten neben Leitbild und Werten konkrete Ziele und auf diese Ziele bezogene Strategien und Handlungen. Die Oberziele für die Schulen in Calgary im 3-Jahres-Plan 2016-19 umfassen zum Beispiel: Personalisierung von Lernprozessen, Aufbau professionellen Kapitals, Einbindung von Stakeholdern und Ressourcenmanagement. Sie sind jeweils mit konkreten Handlungszielen unterlegt. Strategien und Handlungen zur Zielerreichung werden ausgewiesen. Es wird ein sogenanntes ‚roll-out-planning‘ praktiziert, d.h. die Pläne werden nicht im 3-Jahresrhythmus erstellt, sondern die Planung erfolgt jährlich fortlaufend, indem jeweils das dritte Jahr angehängt wird. Dies dient der Kontinuität und Stabilität.
  • Auf Einzelschulebene werden die 3-Jahres-Pläne über Schulentwicklungspläne noch weiter konkretisiert. Auch hier arbeiten die Schulen in einheitlichen Formaten. Neben Zielen und Strategien werden konkrete Maßnahmen und Leistungsziele ausgewiesen.
  • Im Bereich der Schulentwicklung erfolgt eine sehr intensive Zusammenarbeit mit und zwischen den Schulleitungen der einzelnen Schulen. Es wird auf die Potenziale von ‚communities of practice‘ und des gemeinsamen Lernens gesetzt. Das Calgary Board of Education organisiert verbindliche monatliche Treffen, in denen die Schulleitungen in Kleingruppen zusammenkommen und Schulentwicklung vorantreiben. Hierzu wird evidenzbasiert gearbeitet und von den Schulleitungen erwartet, dass sie nicht nur bereits vorhandene Daten (z.B. aus dem Accountability Dashboard) nutzen, sondern auch eigene Daten erheben (z.B. filmische Dokumentation, welche Aufgabentypen an ihrer Schule eingesetzt werden, um kognitive Aktivierung der Schülerinnen und Schüler zu fördern). Über die regelmäßigen Treffen wird datenbasierte Schulentwicklung unterstützt und begleitet.
  • Auch im Bereich der Schulentwicklung erfolgt eine Orientierung an wissenschaftlichen Erkenntnissen und ausgewählten Schlüsselwerken (z.B. dem Teaching Effectiveness Framework der Canadian Education Association), die zum Teil noch speziell aufbereitet werden. Hierüber wird Schulentwicklungsarbeit konkret unterstützt und eine in sich stimmige, verbindliche gemeinsame Basis geschaffen.
  • Die Zusammenarbeit von und mit Lehrkräften sowie die Lehrkräfteentwicklung hat große Bedeutung. Die schulische Arbeitsorganisation sieht vor, dass Lehrkräfte systematisch zusammenarbeiten und ihr Potential stetig weiterentwickeln. Auch von Lehrkräften wird erwartet, dass sie Daten erheben und für ihre Arbeit nutzen. Lehrerfortbildung erfolgt regelmäßig (10 Fortbildungstage pro Schuljahr) und bedarfsbezogen, d.h. orientiert am Schulentwicklungsplan.


Präsentation von Dr. Dianne Yee und Dr. Brandy Yee:
Alberta School Accountability Measures and School Development Planning

Videos aus der Präsentation:
Student Learning Video – Saddle Ridge School (Slide 20)
School Development Plan Review Video - Douglas Harkness School (Slide 22)

Weiterführende Materialien zum Qualitätsentwicklungskonzept der Provinz Alberta:
Measuring the quality of your child’s education brochure
Accountability pillar factsheet
Renewed funding framework

Der Vortrag ist Teil aktiver Impulse des Landesinstituts für Schulentwicklung im Kontext der Weiterentwicklung schulischer Qualität.

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