Abschlussdokumentation Realschule Bissingen

Unterricht gemeinsam entwickeln - „Lesson-Study meets EMU"

Kurzbeschreibung des Projekts

Bei unserem Projekt handelt es sich um ein kooperatives und evidenzbasiertes Unterrichtsentwicklungsvorhaben, das auf dem Lesson-Study Konzept und den Evidenzbasierten Methoden der Unterrichtsdiagnostik (EMU) basiert. Das Projekt knüpft an die schulische Praxis der Kollegialen Unterrichtshospitationen („Bissinger Weg“) an und entwickelt diese weiter. Die Mitglieder des Projektteams

  • planen Unterrichtsstunden unter dem aktuellen schulischen Unterrichtsent-wicklungsschwerpunkt der „Differenzierung“ (mögliche Fokusse kognitiv aktivierende Aufgaben, Lernhilfen für leistungsschwächere SchülerInnen, Methoden der Binnen-Differenzierung, Bedürfnisse der FallschülerInnen etc.);
  • führen die Stunden durch, beobachten die Fallschüler und holen sich im Anschluss mit EMU Rückmeldungen der FallschülerInnen ein;
  • reflektieren evidenzbasiert die Stunden und nutzen die Erkenntnisse zur Überarbeitung der Aufgaben, Unterrichtsmethoden etc.

Die Projektinitiative, in Form thematischen Vorarbeiten im Projektteam fand im Schuljahr 2017/18 statt. Die Projektdurchführung und der Schwerpunkt der Lesson-Study Stunden fanden im Rahmen zweier Zeitfenster im Schuljahr 2018/19 statt. Der Projektabschluss (Evaluation und Dokumentation) sowie der angestrebte Transfer fanden zum Ende des Schuljahres 2018/2019 statt.

Welche Ziele wollten wir mit dem Projekt erreichen? Haben wir unsere Ziele erreicht?
Woran erkennen wir, dass wir unsere Ziele erreicht haben? Haben sich unsere Ziele während der Projektlaufzeit verändert? Warum?
 

Prozessschritte 2018/19

Wie ist die Projektgruppe zusammengesetzt? In welchen Strukturen arbeiten wir?

 

Die Organisationsstruktur der Schule umfasst eine horizontale und vertikale Ebene, die im Projekt miteinander verzahnt werden soll und die durch die am Projekt beteiligten Kollegen vertreten ist: die Stufenebene (Lehrkräfte, die schwerpunktmäßig in einer der Stufe 5/6, 7/8 und 9/10 unterrichten) sowie die Fachebene (Fachschaften aller an der Schule unterrichteten Fächer).
Aktuell setzt sich die Projektgruppe wie folgt zusammen:

Mit welchen außerschulischen Partnern kooperieren wir?

Als Kooperationspartner haben uns begleitet bzw. sind noch geplant
a) Fachliche Unterstützung beim Thema „Lesson-Study“ durch einen Lesson-Study Experten.
b) Fachliche Unterstützung beim Instrument EMU durch Prof. Andreas Helmke und Dr. Tuyet Helmke (Universität Konstanz)
c) in Planung: Fachdidaktische Impulse in Mathematik durch Herrn Prof. Lars Holzäpfel (PH Freiburg) im Herbst 2019

Zu welchem Förderschwerpunkt des Entwicklungsprogramms arbeiten wir und welche Weiterentwicklungen hat es in diesem Bereich während der Projektlaufzeit gegeben?

  • Regelmäßige Information der Kolleginnen und Kollegen über den aktuellen Projektstand im Rahmen der Stufenkonferenzen und in den Gesamtlehrerkonferenzen. Öffnung der (fachdidaktischen) Impulse / Workshops für alle Kolleginnen und Kollegen. Es besteht jederzeit die Möglichkeit einer niederschwelligen Mitarbeit / „hineinschnuppern“ im Sinne eines eigenen Ausprobierens der Materialien, Aufgaben und Beobachtungsschwerpunkte im eigenen Unterricht
  • Information der Eltern (über die Schulleitung in regelmäßig stattfindenden Gesamtelternbeiratssitzungen und der Schulkonferenz sowie in den obligatorischen Einführungen der Schulleitung zu Beginn der ersten Elternabende im neuen Schuljahr 2018/2019)
  • Information der Schülerinnen und Schüler über die SMV durch die Vertrauenslehrer
  • mögliche Vorstellung der Projektergebnisse im Rahmen eines der regelmäßig stattfindenden Vernetzungstreffen Realschule des Staatlichen Schulamtes Ludwigsburg
  • Information über die Homepage der Schule (www.realschule-bissingen.de)

Zu welchem Förderschwerpunkt des Entwicklungsprogramms arbeiten wir?

Das Projekt ist dem thematischen Schwerpunkt einer kooperativen und evidenzbasierten Unterrichtsreflexion zwischen den Lehrkräften zuzuordnen. Der gewählte Projektfokus mit dem Leitthema „Differenzierung“ beinhaltet dabei auch den thematischen Schwerpunkt der Entwicklung und Umsetzung von komplexen und differenzierenden Aufgaben zur Steigerung der kognitiven Aktivierung von Schülerinnen und Schüler. Nach dem Transfer ins neue Schuljahr 2019/20 ist, basierend auf den Erkenntnissen aus der Lesson-Study Erprobungsrunde, verstärkt ein fachdidaktischer Fokus geplant (siehe hierzu auch 3.3 Weiterführung und Verankerung unseres Projekts in der Schule).

Wie wird unser Projekt evaluiert? Wie gewährleisten wir die Wirkung unseres Projekts?

Im Rahmen des Projektes wurden zwei Evaluationsmaßnahmen durchgeführt:

  1. Eine formative Evaluation der Unterrichtsstunden im Lesson-Study Zyklus mit dem EMU-Instrument (siehe nachfolgende Abbildung 1). Mit Hilfe von EMU sind Erkenntnisse zu den jeweiligen Stunden aus Sicht der Schülerinnen und Schüler gewonnen werden. Die evidenzbasierte Vorgehensweise soll kriteriengeleitet Einblicke ins Unterrichtsgeschehen geben und den offenen forschenden Ansatz des Lesson-Study Konzeptes ergänzen.
  1. Eine summative Evaluation am Projektende in Form eines auf Leitfragen basierenden Gruppengespräches mit dem Lesson-Study Experten. Die folgenden fünf Fragen bildeten den Ausgangspunkt des Gespräches:
  • Inwieweit wurde die Struktur von Lesson-Study kennengelernt und wie schlüssig erscheint diese Struktur?
  • Wie funktional war die Vereinbarung einer Forschungsfrage für Lesson-Study?
  • Inwieweit ist klargeworden, wie Lernaktivitäten beobachtet und dokumentiert werden?
  • Wie können sich die Rahmenbedingungen von Lesson-Study gestalten?
  • Wie kann auf Basis der Erfahrungen mit Lesson-Study die unterrichtsbezogene Kooperation in Fachschaften weiterentwickelt werden?

Die Gesprächsergebnisse bildeten die Grundlage einer Empfehlung an die Gesamt-lehrerkonferenz (siehe hierzu 3.3 Weiterführung und Verankerung unseres Projekts in der Schule)

Erwartungen an das Entwicklungsprogramm?

  • Externe Prozessbegleitung durch Fachberater der Unterrichts- und Schulentwicklung. Eine externe Prozessbegleitung kann durch einen „Blick von außen“ einen wichtigen Beitrag zur kontinuierlichen Reflexion leisten und so vielleicht mögliche „Blinde Flecken“ vermeiden. Die Unterstützung durch den Experten zeigte sich beispielweise in der Vorgabe eines Planungsrasters und bei der Moderation der auf den Lernaktivitätskurven basierenden Reflektion (siehe nachfolgende Abbildungen 2 und 3).
    Diese Erwartung wurde mit der Prozessbegleitung bei der Erprobung von Lesson Study durch einen externen Lesson-Study Experten voll erfüllt.
  • Fachdidaktische Impulse zum Thema „Differenzierung“ durch externe Experten. Vor dem Hintergrund aktueller fachdidaktischer Erkenntnisse wurde hierbei an Inputphasen und Workshops durch externe Experten gedacht. Bei diesen Inputphasen und Workshops sollten Themen wie „kognitive Aktivierung“ oder „Förderung leistungsstärkerer und leistungsschwächerer Schüler“ praxisnah beantwortet werden.
    Diese Erwartung wurde für das Fach Mathematik durch einen Vortrag von Herrn Professor Holzäpfel (Pädagogische Hochschule Freiburg) beim Vernetzungstreffen im Februar 2019 bereits zum Teil erfüllt. Des Weiteren ist für Herbst 2019 ist ein Fachtag mit ihm geplant. Für das Fach Englisch konnte leider aktuell kein entsprechender externer Experte für spezifische Fragestellungen zur Fachdidaktik Englisch gefunden werden.
  • Vernetzung mit anderen Schulen aus dem Entwicklungsprogramm: Wir hofften Kontakte zu anderen Schulen knüpfen zu können, um mit diesen in einen best-practice Austausch zu kommen, aber auch um Herausforderungen, Stolpersteine etc. gemeinsam zu bearbeiten. Dieser Austausch war leider nur im Rahmen des ersten Vernetzungstreffens möglich.
  • Stetiger Wissenstransfer: Im Rahmen einer Multiplikatorenschulung durch einen Lesson-Study Experte im Mai 2019 und den geplanten Fachdidaktik Tag in Mathematik mit Herrn Professor Holzäpfel im Herbst 2019, sind erste Transferschritte angedacht (siehe hierzu auch: 3.3 Weiterführung und Verankerung unseres Projekts in der Schule)

Wie haben die Bausteine des Entwicklungsprogramms dazu beigetragen?

Nachfolgend sollen aus der thematischen Vielfalt der Bausteine im Rahmen der Vernetzungstreffen drei für uns besonders bedeutsame Bausteine kurz erläutert werden:

  • Austauschrunden mit anderen Lesson-Study Schulen im Rahmen des 1. Vernetzungstreffen am 14.6.18: Als gewinnbringend empfanden wir den intensiven Austausch mit zwei Schulen, die ebenfalls nach dem Lesson-Study Konzept arbeiten. Die drei moderierten Austauschrunden ermöglichten eine konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Projekt und wir erhielten wertvolle Impulse für die eigene Projektarbeit.
  • Vortrag von Frau Professorin Sliwka am 15.6.19: Der Vortrag von Frau Professorin Sliwka zum Thema „Lernwirksamer Unterricht: Empirische Forschung und internationale Entwicklungen in besonders leistungsstarken Schulsystemen“ und der anschließende Austausch führten uns in die aktuelle Forschung, vor allem im Bereich der für unser Projekt wichtigen Tiefenstrukturen der Unterrichtsqualität, ein. Sie verdeutlichte uns außerdem welchen Stellenwert das Thema Lesson-Study im Kontext aktueller Forschungen zur Arbeit in professionellen Lerngemeinschaften einnimmt.
  • Fachdidaktischer Workshop Mathematik Herr Professor Holzäpfel beim 2. Vernetzungstreffen am 15.2.2019: Im Projektverlauf kristallisierte sich der Bedarf nach zusätzlicher fachdidaktischer Expertise heraus. Von den Impulsen von Herrn Professor Holzäpfel beim 2. Vernetzungstreffen, aber insbesondere auch vom damit verbundene Workshop profitierten nicht nur die anwesenden Mathematikkollegen. Als sehr erfreulich soll an dieser Stelle auch der erste Kontakt und die sich daraus entwickelte Zusammenarbeit mit Herrn Professor Holzäpfel erwähnt werden.

Weiterführung und Verankerung unseres Projekts in der Schule

Weiterführung des Projektes im Schuljahr 2019/20 in Form einer erweiterten strukturierten Unterrichtsreflexion – dem „neuen Bissinger Weg“: Jede Lehrkraft ist wie seither verpflichtet einmal pro Schuljahr eine strukturierte Unterrichtsreflexion durchzuführen. Jedoch entscheidet jede Lehrkraft zu Schuljahresbeginn, in welchem Bereich der Schwerpunkt ihrer Unterrichtsreflexion liegen soll und wählt dann die bekannte Kollegiale Hospitation oder Lesson-Study (vgl. hierzu nachfolgendes Schaubild).

  • Sammlung der Kurzzusammenfassungen der Lesson-Study Stunden im Qualitäts-managementhandbuch:
    Die Planungen und Reflexionen der Lesson Study Stunden ergaben Erkenntnisse, die auch für weitere Kolleginnen und Kollegen von Interesse sind. Daher wird es im Online Qualitätsmanagementhandbuch (QMH) unserer Schule eine Sammlung der Kurzzusammenfassungen der Lesson Study Stunden (siehe nachfolgende Tabelle) sowie einen Katalog der bereits formulierten Forscherfragen geben.
    Diese Sammlungen sollen neuen Teams zur Orientierung dienen. Sie sollen es den Kolleginnen und Kollegen auch ermöglichen, Elemente oder ganze Stunden in den normalen Unterricht zu integrieren.
  • Multiplikatorenschulung „Lesson Study“: Innerhalb des Entwicklungsprogramms konnten verschiedene Pilotgruppen unter Begleitung eines externen Experten Erfahrungen mit Lesson Study sammeln. Es ist unser Ziel, dass möglichst alle Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit bekommen Erfahrungen mit Lesson Study zu machen. Eine externe Begleitung ist jedoch nicht für das gesamte Kollegium realisierbar. Um zukünftigen Lesson Study Teams dennoch eine gute Begleitung zu ermöglichen, haben sechs Kolleginnen/Kollegen der Realschule Bissingen am 14.05.2019 eine schulinterne Multiplikatorenschulung besucht.
  • Fortbildungsbedarf in der Fachdidaktik Mathematik und Englisch: Unsere intensive Beschäftigung mit Fachdidaktik zeigte, dass hier insbesondere in Mathematik und Englisch Fortbildungsbedarf besteht.
    In Mathematik war es möglich im Rahmen des Projektes Herrn Professor Holzäpfel für einen Vortrag zu gewinnen. Aus diesem Vortag entwickelte sich die Planung eines Fachtages mit ihm zum Thema „Verschiedene Formen der Differenzierung und Erstellung kognitiv aktivierender Aufgaben im Mathematikunterricht der Sekundarstufe 1“. Dieser Fachtag wird am 09.10.2019 stattfinden und auch für Mathematiklehrer der Sekundarstufe 1 anderer Schulen geöffnet sein. Nach einer Erprobung der am Fachtag entwickelten Erkundungs- und Übungsaufgaben, wird für die Lehrerinnen und Lehrer der RSB eine Reflexion in Zusammenarbeit mit Herrn Professor Holzäpfel stattfinden.

Übersicht über eingesetzte oder erarbeitete Materialien

Fußleiste