Landesprogramm Bildungsregionen

Thementag "Integration durch Bildung im Kontext von Neuzuwanderung und Flucht" am 10. November 2016

Foto Thementag 2016

Foto Thementag 2016

Foto Thementag 2016

  • Wie können wir Neuzugewanderte lebenswelt- und alltagsbezogen ganz konkret unterstützen und Orientierung anbieten?
  • Wie ermöglichen wir eine gemeinsame interkulturelle Verständigung?
  • Wie gelingt es uns, dass die Menschen in unserer Stadt bzw. unserem Kreis ihre Gedanken und Gefühle, Hoffnungen und Befürchtungen artikulieren und miteinander ins Gespräch kommen können?
  • Wie gelingt eine strategische kommunale Koordinierung der vielfältigen Bildungsangebote für Neuzugewanderte in der Stadt bzw. im Landkreis?
  • Wie können wir den Erwerb der deutschen Sprache und die berufliche Integration von Neuzugewanderten und Geflüchteten praxisnah miteinander verbinden?

Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Bildungsregionen, anderer interessierter Städte und Landkreise sowie weitere Akteure aus ganz Baden-Württemberg nahmen die Gelegenheit wahr, sich am 10. November 2016 am Landesinstitut für Schulentwicklung über diese und viele weitere Fragen auszutauschen und damit inhaltlich an den Thementag am 07. Juni 2016 anzuknüpfen.

Ein Impulsvortrag zum Programm "Dialog macht Schule" der Stadt Stuttgart rückte die Verbindung politischer Bildung und Persönlichkeitsentwicklung mit Aspekten von Integration, gesellschaftlicher Teilhabe und Demokratieförderung ins Blickfeld: Gesellschaft, so wurde deutlich, lebt vom Dialog. Durch moderierte kontinuierliche Dialogprozesse in Schulen können Jugendliche lernen, ihre eigenen Positionen zu Themen, die sie bewegen, auszudrücken, Stereotypen zu benennen und zu hinterfragen und auch kontroverse Positionen zuzulassen und besser zu verstehen. Dialogmoderatorinnen und -moderatoren begleiten die Jugendlichen dabei als Brückenbauer und Mentoren. Im Prozess des Sich-Aufeinander-Einlassens wird schnell klar: Politik ist nicht nur etwas, das Politiker in Gremien und Parlamenten machen, sondern jedes für die Jugendlichen virulente gesellschaftliche Thema hat auch eine politische Dimension, die es zu entdecken gilt.

In einer zweiten eher strukturell ausgerichteten Blickrichtung zeigte der Impulsvortrag der Pädagogischen Hochschule Heidelberg als Geschäftsführung des Reallabors Asyl der Rhein-Neckar-Region die zentrale Bedeutung der Kooperation von wissenschaftlicher Forschung und konkreter Alltagspraxis in Kommunen zum Thema Asyl und Flucht auf. Im Reallabor Asyl haben die beteiligten Kommunen die Chance, ihre Fragen und Anliegen in den Bereichen sprachliche und mathematische Kompetenzen von berufsschulpflichtigen Asylsuchenden, Arbeitsmarktintegration, dezentrale Unterbringung und bürgerschaftliches Engagement in die Forschung einzubringen. Durch die Kooperation mit dem Reallabor erhalten sie wiederum belastbare und praxisrelevante Erkenntnisse, die vor Ort erprobt und nutzbar gemacht werden können. Dabei wurde deutlich, dass Bildungsregionen eine gute Plattform für diese lebendige Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und Kommunaler Praxis bieten können.

In insgesamt sechs thematischen Foren gaben verschiedene Bildungsregionen praxisnahe Einblicke in ihre Arbeit vor Ort. So wurden zum Beispiel erste Umsetzungskonzepte für die in vielen Bildungsregionen und weiteren Stadt- und Landkreisen neu etablierte kommunale Koordination von Bildungsangeboten für Neuzugewanderte (gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung) diskutiert. Dabei wurde auch deutlich, wie hilfreich die Struktur der Bildungsregionen in diesem Zusammenhang sein kann, z. B. durch die bewusste Anbindung der Koordination an das Regionale Bildungsbüro. Neben der Koordination von Bildungsangeboten wurden unter anderem auch Projekte der Bildungsregionen zur Verzahnung von Spracherwerb und beruflicher Integration oder zur alltagsnahen stadtteilbezogenen Unterstützung Neuzugewanderter durch interkulturelle Brückenbauerinnen und Brückenbauer vorgestellt. Diese ermöglichen einen niederschwelligen Zugang und unterstützen Familien und Fachkräfte im Stadtteil mehrsprachig, kultursensibel und alltagsnah bei der gemeinsamen Verständigung. Damit haben sie für neuzugewanderte Familien auch eine wichtige Orientierungsfunktion.

Die Foren boten darüber hinaus auch anderen Akteuren die Möglichkeit, ihre Angebote zu präsentieren und als mögliche Partner mit den Bildungsregionen ins Gespräch zu kommen. So stellte unter anderem eine Vertreterin des "Team meX. Mit Zivilcourage gegen Rassismus" der Landeszentrale für politische Bildung ihre Angebote zur Extremismus-Prävention für Jugendliche und Multiplikatoren mit den Blickrichtungen Islamismus und Rechtsextremismus vor. Fachveranstaltungen, Projekttage, Gesprächsrunden und Trainings sensibilisieren für die Thematik der "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" und stärken Jugendliche und Multiplikatoren gleichermaßen. Ein weiteres für die Bildungsregionen sehr interessantes Konzept bietet der Ansatz der Caritas Mannheim, Menschen zu Kulturdolmetschern auszubilden, die in den Bereichen Bildung, Soziales und Gesundheit als Sprach- und Kulturmittler fungieren.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten am Thementag auch die Möglichkeit zum informellen Erfahrungsaustausch, kamen über ihre aktuellen Fragen ins Gespräch, lernten Praxisbeispiele aus anderen Kommunen kennen und knüpften neue Kontakte.

Der Thementag brachte vielfältige Impulse für die Arbeit in den Städten und Landkreisen. Das Landesinstitut lädt auch weiterhin regelmäßig zu Thementagen ein, um den für alle Beteiligten bereichernden Fachaustausch und Praxistransfer zu aktuellen Bildungsthemen zu unterstützen.


Materialien zum Thementag und weitere Informationen zum Thema


Veranstaltungsprogramm und Fotoimpressionen

Veranstaltungsprogramm zum Thementag "Integration durch Bildung im Kontext von Neuzuwanderung und Flucht" am 10. November 2016

Fotoimpressionen zum Thementag "Integration durch Bildung im Kontext von Neuzuwanderung uund Flucht" am 10. November 2016


Überblicksdarstellung "Integration durch Bildung"

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