Landesprogramm Bildungsregionen

Thementag "Sprachbildung und -förderung" am 19. Juli 2018

Foto Thementag "Sprachbildung und -förderung" 2018

Im Rahmen des Landesprogramms Bildungsregionen fand im Landesinstitut für Schulentwicklung am 19. Juli 2018 ein Thementag unter der Überschrift "Sprachbildung und -förderung" statt. Die rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus den Regionalen Bildungsbüros der Bildungsregionen sowie aus verschiedenen Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg, die bisher noch keine Bildungsregion eingerichtet haben. Auch zahlreiche kommunale Koordinatorinnen und Koordinatoren von Bildungsangeboten für Neuzugewanderte sowie Akteure aus der staatlichen Schulverwaltung nahmen an der Veranstaltung teil. Die verschiedenen Beiträge und Austauschmöglichkeiten nahmen unter anderem die folgenden Fragen in den Blick:

  • Worin besteht der Unterschied zwischen Sprachbildung und Sprachförderung und wie gehören beide zusammen?
  • Inwiefern betreffen Sprachbildung und Sprachförderung alle Kinder und Jugendlichen, nicht nur diejenigen, die einen Migrationshintergrund haben?
  • Wie etablieren wir in unserer Kommune ein Biografie begleitendes, durchgängiges und einrichtungsübergreifendes Konzept für Sprachbildung und -förderung, das insbesondere die Übergänge zwischen Bildungsphasen in den Blick nimmt?
  • Was könnte dabei die Rolle unseres Bildungsbüros sein?
  • Wie gelingt es uns, dass sich die Akteure aus Kindertageseinrichtung, Schule und beruflicher Ausbildung über Sprachbildung und -förderung verständigen und abstimmen?
  • Wie können wir mehrsprachige Kinder und Jugendliche gut unterstützen?

Mit seiner Ausrichtung entlang der Bildungsbiografie ermöglichte der Thementag eine breite und differenzierte Perspektive auf Sprachbildung und -förderung. Diese schloss Konzepte durchgängiger Sprachbildung in der Kommune ebenso ein wie gemeinsame Fortbildungs- und Coaching-Angebote für Fach- und Lehrkräfte in Kindertageseinrichtung und Grundschule, Kooperationsprojekte zur Lese- und Vorleseförderung, Diagnoseverfahren und individuelle Förderangebote für Kinder und Jugendliche mit besonderen Sprachförderbedarfen.

Am Vormittag referierten die Sprachwissenschaftlerin und Fortbildnerin Dr. Kerstin Bosch für den frühkindlichen Bereich, Verena Bermanseder von der Stadt Fellbach für den Übergang in die Grundschule und Marianne Schöler von der Pädagogischen Hochschule Freiburg für den Übergang in Sekundarstufe und berufliche Ausbildung. An die Kurzimpulse der drei Referentinnen schloss sich ein gemeinsames Fachgespräch an, das auch die Möglichkeit bot, Fragen aus dem Publikum aufzugreifen und unter den drei sich ergänzenden Perspektiven zu diskutieren. Auf diese Weise wurden – ganz im Sinne der Durchgängigkeit – zentrale Schnittstellen entlang der Bildungsbiografie sichtbar:
Das Wissen um den Spracherwerb von Kindern unter sechs Jahren lieferte auch zentrale Erkenntnisse über den Zusammenhang von Sprachentwicklung und kognitiver Entwicklung. Der Blick auf das Fellbacher Modell verdeutlichte die Chancen gemeinsamer Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern und Grundschullehrkräften mit dem Ziel, dass diese in ihren Einrichtungen als Multiplikatoren wirken und dieselben Sprachfördertechniken anwenden. Für den Übergang in Sekundarstufe und berufliche Ausbildung zeigte sich, welche sprachbezogenen Kompetenzen dort jeweils erforderlich sind und wie diese in früheren Bildungsphasen bereits angelegt und im Laufe der Zeit weiter ausgebaut werden. Hierzu gehören unter anderem die Fähigkeit, Sprache kontextbezogen und variabel einzusetzen, Fachinhalte und Arbeitsanweisungen zu erfassen, Texte flüssig und genau zu lesen sowie grafisch dargestellte Informationen zu verbalisieren. Bildungssprache zeigte sich als verbindendes Element zwischen Schul- und Fachsprache. Ebenso wurden die notwendige Balance zwischen fachsensiblem Sprach- und sprachsensiblem Fachunterricht sowie die Bedeutung einer Disziplinen übergreifenden Zusammenarbeit deutlich.

Am Nachmittag hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, mehrere parallele Fachforen zu besuchen und dort einzelne Aspekte noch zu vertiefen. Neben Praxisbeispielen zum Aufbau eines durchgängigen Konzeptes für Sprachbildung und -förderung in der Kommune in Zusammenarbeit der maßgeblichen Akteure konnten sie verschiedene Diagnoseverfahren (Potenzialanalyse 2P für Neuzugewanderte und LiSe-Daz®) und Sprachförderprojekte (Sprachboxen für Vorbereitungsklassen, Sprachförderpatinnen und -paten etc.) kennenlernen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten am Thementag auch intensiv die Möglichkeit zum informellen Erfahrungsaustausch über ihre Fragen aus der Praxis und zur Vertiefung von Kooperationen mit anderen Kommunen und Partnern.

Der Thementag brachte vielfältige Impulse für die Arbeit in den Städten und Landkreisen. Das Landesinstitut für Schulentwicklung lädt auch weiterhin regelmäßig zu Thementagen ein, um den für alle Beteiligten bereichernden Fachaustausch und Praxistransfer zu aktuellen Bildungsthemen zu unterstützen.



Materialien zum Thementag und weitere Informationen zum Thema


Veranstaltungspogramm

Veranstaltungsprogramm zum Thementag "Sprachbildung und -förderung" am 19. Juli 2018

Fotoimpressionen vom Thementag "Sprachbildung und -förderung" am 19. Juli 2018


Thematische Überblicksdarstellung zum Thema "Sprachbildung und -förderung"

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